PSA-Wert

 

Erweiterte Krebsvorsorge mit dem PSA- Wert- ist das wirklich sinnvoll?


 

Immer wieder werden wir im Rahmen der Krebsvorsorgeuntersuchung gefragt, ob ein PSA - Test sinnvoll ist. Wir verwenden in unserer Praxis Aufklärungs - Flyer mit einer prägnanten Beschreibung der Methode, deren Vor- und Nachteilen. Sie werden ihn möglicherweise ausgehändigt bekommen haben.


Für Interessierte möchten wir Sie hier über die aktuelle Datenlage und die aktuellen Empfehlungen der Fachgesellschaften informieren.


Der PSA - Wert ("Prostata - Spezifisches Antigen", humanes Kallikrein 3) ist einer von vielen Verdauungsstoffen der Vorsteherdrüse, der in die Samenflüssigkeit abgegeben wird und für ihre Verflüssigung sorgt. Er wird zudem in geringen Mengen in das Blut abgegeben, so dass man seine Konzentration im Blut über eine Blutprobe messen kann.


Obwohl in aller Regel ein Wert von unter 4 ng/ml als "normal" angesehen wird, ist die Interpretation des Wertes nicht einfach: je jünger ein Mensch ist, umso deutlicher sollte dieser Wert unter 4 ng/ml liegen, je größer eine Prostata ist, kann auch ein Wert über 4 ng/ml als unbedenklich angesehen werden.


Bei gutartiger Vergrößerung, Entzündung - oder eben auch Prostatakrebs - kann dieser Wert im Blut ansteigen, je höher er ist, umso wahrscheinlicher weist er auf eine bösartige Erkrankung hin. Werte von über 10 ng/ml können durchaus auch Ausdruck einer gutartigen Veränderung sein. Auf der anderen Seite zeigt bei Prostatakrebs ein PSA - Wert von über 10 ng/ml schon ein erhebliches Metastasierungsrisiko an.


Ergibt demzufolge ein PSA - Test einen erhöhten Wert, muss eine Probeentnahme aus der Prostata erfolgen, die in aller Regel unter Ultraschall - Führung in örtlicher Betäubung durch den Enddarm, seltener auch durch die Haut im Dammbereich erfolgt. Die Risiken einer solchen Probeentnahme bestehen vor allem in Blutungen und Entzündungen, die in aller Regel - wenn überhaupt - harmlos verlaufen. Schwerwiegende Komplikationen sind selten.


Da man in den vielen Fällen über den Ultraschall durch den Enddarm ("transrektale Endosonographie") keine Krebsherde erkennen kann, erfolgt die Mehrfach- Probeentnahme "strategisch", also systematisch aus jeder Region der Prostata, aber dennoch eben "blind", was die Interpretation des feingeweblichen Befundes erschwert.


Natürlich stellt sich hier die Frage, wie sinnvoll der PSA - Test ist. Schließlich soll eine Früherkennung ja hinreichend genau und nicht belastend sein. Daher hat der gemeinsame Bundesausschuss diesen Test nicht als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherungen anerkannt.


Nach anfänglicher Euphorie über den vor ca. 20 Jahren entdeckten "Tumormarker" stellte sich zunehmend heraus, dass eine Vielzahl von Probeentnahmen der Prostata umsonst durchgeführt wurden, da der erhöhte PSA - Wert eben nicht Ausdruck einer Krebserkrankung war. Auch entdeckte man eine Vielzahl wenig aggressiv wachsender Prostata-Karzinome, die im Verlaufe des Lebens keine Beschwerden gemacht hätten. Derartig Betroffene wurden also völlig unnötig mit einer Krebsdiagnose behaftet und womöglich unnötig behandelt, was einer "Übertherapie" entspricht.


Die letzten beiden großen Erhebungen zur Überprüfung einer Sinnhaftigkeit des PSA - Test waren in Europa die ERSPC - Studie (European Randomised study of Screening for Prostate Cancer) und in Amerika die PLCO - Studie (Prostate, Lung, Colorectal, Ovarian Cancer screening trial). In Europa erhielten hierzu 162.000 Probanden entweder die gesetzliche Krebsvorsorge (Tastuntersuchung der Prostata) oder eben regelmäßig zusätzlich einen PSA - Test. Die Beobachtung erfolgte über bis zu 13 Jahre.


Pro 10.000 Männer wurde in der PSA- Gruppe pro Jahr ein Mann vor einem frühzeitigen Tod am Prostatakrebs bewahrt. Allerdings erhielten auch 33 Männer eine Krebsdiagnose, die sie ohne PSA - Test nicht bekommen hätten, ca. 40 % dieser Männer hätten vermutlich ihren Krebs lebenslang nie bemerkt.


Die Ergebnisse der PLCO - Studie fielen zunächst noch ernüchternder aus, da sich hieraus kein Vorteil einer PSA - gesteuerten Krebsvorsorge ergab. Demzufolge wurde die PSA - Bestimmung zur Krebsvorsorge in den USA zeitweise nicht mehr empfohlen. Allerdings ergab sich schwere Kritik an dieser Studie in den USA, weil offensichtlich eine Vielzahl der Probanden sich außerhalb der Studie doch sicherheitshalber haben ihren PSA bestimmen lassen. Derartig festgestellte Prostatakarzinome wurden natürlich aus der Studie ausgeschlossen und das Endergebnis wurde verfälscht.


Tsudikov und Mitarbeiter haben jüngst eine Neuanalyse der Daten der ERSPC - und der PLCO - Studie mit erweiterten statistischen Berechnungsmethoden durchgeführt ("Recording the effects of screening on prostate cancer mortality in the ERSPC and PLCO trials"). Hiernach ergab sich ein bis zu 32% reduziertes Risiko, an Prostatakrebs zu sterben, wenn man regelmäßig seinen PSA - Wert bestimmen lässt.


In einer im September 2017 durchgeführten Podiumsdiskussion anlässlich des 69. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Urologie hat sich nach den neuesten Ergebnissen der PSA - Wert wieder reetabliert. "PSA rettet Leben" - so lautete ein Leitsatz dieser Diskussion. "Jeder Mann mit 45 Jahren sollte seinen PSA - Wert kennen" forderte Prof. Wirth aus Dresden. Aber was wollen wir hierfür bezahlen? Wann die PSA - Bestimmung deutschlandweit eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen werden wird, bleibt leider unklar.


In den aktuellen Leitlinien wird eine generelle PSA - gesteuerte Krebsvorsorge nicht durchgängig empfohlen. Sie soll aber nach umfassender Aufklärung auf jeden Fall angeboten werden.


Wie gehen wir jetzt zum aktuellen Zeitpunkt als onkologisch spezialisierte Fachärzte für Urologie mit der aktuellen Datenlage um?


Wir denken, dass die PSA - Bestimmung im Rahmen der Krebsvorsorge weiterhin sinnvoll ist. Es ist unsere Pflicht, Sie darauf hinzuweisen, dass ohne PSA - Test das Risiko steigt, an Prostatakrebs zu sterben. Diese erhöhte Sicherheit wird jedoch bezahlt mit den Kosten des PSA- Testes, möglicherweise unnötigen Probeentnahmen aus der Prostata und möglicherweise einer Diagnose einer Krebserkrankung, die zu Lebenszeiten keine Beschwerden gemacht hätte. Allerdings steht für diese Krebsformen die "aktive Überwachung" zur Verfügung, also eine reine Beobachtung der Wachstumstendenz des Prostatakrebses - ohne weitere Nebenwirkungen.


Es liegt also auch an Ihnen, welches Sicherheitsbedürfnis Sie haben. Stellen Sie sich doch einmal die Frage, ob Sie eine Kletterwand ohne Sicherung besteigen oder ein Auto ohne KFZ - Versicherung fahren würden... die Unannehmlichkeiten der zusätzlichen Sicherheit behindern Sie, kosten Geld und sind ärgerlich.. aber im Notfall doch sehr hilfreich!


Wir hoffen, Sie mit dieser sehr aktuellen und neutralen Darstellung geholfen zu haben, für sich zu entscheiden, ob für Sie ein PSA - Test zur Krebsvorsorge sinnvoll ist oder nicht.