Grauer Star und Tamsulosin

 

Zur Verbesserung des Wasserlassens bei gutartiger Vergrößerung der Prostata wird unter anderem das Medikament "Tamsulosin" eingesetzt. Eine Nebenwirkung hierbei ist, dass die Regenbogenhaut des Auges ("Iris") sich - genau wie die Muskulatur am Blasenauslass - in ihrer Muskelspannung verändert. Dieses beeinträchtigt betroffene im Alltag überhaupt nicht. Nur im Falle einer geplanten Operation des Grauen Star (Katharakt) stört dieses Phänomen und macht eine Veränderung der Operationstechnik erforderlich.


Um die immer wiederkehrenden Diskussionen zwischen Urologen und Augenärzten zu klären, hat sich das Aktionsbündnis Urologie (ABU) mit den Bayerischen Augenärzten über dieses Thema auseinander gesetzt.


Im Folgenden geben wir Ihnen hier die Stellungnahme des ABU und wichtige Informationen über die Nebenwirkung zur Verfügung:


 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,


wegen der Häufigkeit der Verordnung von Alphablockern im urologischen Bereich möchten wir auf ein Problem hinweisen, dass sich in diesem Zusammenhang häufig bei Katarakt-Operationen ergibt: das intraoperative Floppy Iris Syndrom (IFIS). In diesem Rahmen wurden wir von den bayerischen Augenärzten angesprochen und gebeten, diese Problematik bei der Therapieentscheidung zu berücksichtigen.


Sowohl die BPH (mit LUTS) als auch der Graue Star sind Alterserscheinungen, die praktisch jeden Menschen treffen, wenn er nur alt genug wird. (Übrigens: Urologen, die beim Schiene-Legen viel durchleuchten, bekommen ihren Katarakt als Strahlenschaden etwas früher...) Somit ist die Wahrscheinlichkeit, daß eine LUTS mit Alphablockern behandelt wird und (irgendwann) eine Katarakt - OP ansteht, relativ hoch.


Neueste Untersuchungsergebnisse aus multizentrischen Studien zeigten, dass die Inzidenz des IFIS bereits nach kurzzeitiger Einnahme von Alphablockern deutlich erhöht ist, und die Effekte auch nach ein- oder mehrjähriger Therapiepause fast unverändert bestehen bleiben (d.h. ein kurzfristiges Absetzen reduziert das Risiko NICHT). Dabei liegt das Risiko bei Tamsulosin ca. 40 x höher als bei anderen Alpha-Blockern. Auch wenn nicht explizit in den Studien beschrieben, wird ein ähnlicher Effekt bei Einsatz von Silodosin zu erwarten sein.


Es geht natürlich nicht darum, auf eine effektive Therapie von Miktionssymptomen zu verzichten. Auch die alternative Verordnung anderer Alphablocker sollte wegen der vermehrten kardiovaskulären Ereignisse (ALLHAT-Studie) sorgfältig abgewogen werden.


Allerdings ist es sinnvoll, den Patienten zu fragen, ob - in nächster Zeit - eine Katarakt - OP ansteht, und die Medikation – wenn möglich - bis dahin hinauszuzögern bzw. den Zeitplan mit dem Augenarzt abzusprechen. Unsere ophtalmologischen Kollegen haben uns zugesichert, dass für die in Frage kommenden Patienten bevorzugt Termine vorgehalten werden, um unsere weiteren therapeutischen Massnahmen nicht unnötig zu verzögern.


Ob man die Patienten auf das grundsätzlich erhöhte Risiko bei einer möglicherweise in der Zukunft erforderlichen Operation hinweisen sollte, muß jeder selbst entscheiden. Denn natürlich ist es (auch und vorrangig) Sache des operierenden Augenarztes, die Frage nach einer (früheren) Einnahme von Tamsulosin zu klären. Bei einer entsprechenden anamnestischen Angabe kann die Operation mit einer besonderen Technik (Einsetzen eines Shooters = sozusagen Pupillenspreizers) weitgehend unbehindert durchgeführt werden.


Details zu IFIS:


Die Kataraktextraktion ist in den entwickelten Ländern eine der am häufigsten ausgeführten Operationen. Voraussetzung für einen sicheren und erfolgreichen Eingriff ist unter anderem ein ausreichend großer und stabiler Zugang durch die Pupille zur Linse. Gründe für eine medikamentös nicht ausreichend erweiterbare Pupille während der Operation ist u.a. die im Jahr 2005 von den Augenärzten Chang und Champell in den USA beschriebene neu aufgetretene Form der engen Pupille während einer Kataraktoperation bei Patienten, die Alpha 1-Rezeptor-Antagonisten einnahmen oder eingenommen hatten. Diese Konstellation bezeichneten sie als intraoperatives Floppy-Iris-Syndrom (IFIS).


Das IFIS lässt sich wie folgt charakterisieren:


  • geringe Dilatation der Pupille sowohl präoperativ als auch intraoperativ
  • langsam progressive oder plötzlich starke Konstriktion der Pupille während der Operation
  • schlaffe, undulierende, sich vorwölbende Iris
  • ausgeprägte Tendenz zum Irisprolaps

Hierdurch können intraoperativ irreversible Verletzungen wie Iristraumata, aber auch Schädigungen der Zonulafasern, eine Ruptur der hinteren Kapsel und Glaskörperverlust eintreten.

Noch kein Patient bei uns – für einen reibungslosen Ablauf

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